19. Mär 2026

Der SWA lud am 19. März seine Mitglieder und Freunde zum SWA-SUMMIT ins StageOne ein. Rund 400 Werbeauftraggebende, Agentur- und Medienvertretende folgten dem Ruf zum Spitzentreffen im Schweizer Werbemarkt. Nach drei inspirierenden Keynotes zum Tagungsthema «The new ROI: Return on Impact» und einem Talk mit dem neuen «Werber des Jahres» gab es ein exquisites Stehdinner mit viel Networking bis in die Nacht hinein. Dabei gab dieses Jahr ein Auftritt besonders zu reden: Dennis Lück überraschte das Publikum als «Doc Brown» und entstieg einer DeLorean-Zeitmaschine, bekannt aus dem Blockbuster «Back to the Future».
Das traditionelle SWA-Jahresmeeting heisst jetzt SWA-SUMMIT und der Name ist längst Programm! So traf sich am Donnerstagnachmittag fast die gesamte Werbebranche im ausverkauften Zürcher StageOne. In seiner Begrüssungsrede betonte SWA-Präsident Jan De Schepper gleich zu Beginn, dass es ihm beim neuen ROI, dem Return on Impact, um Effektivität vor Effizienz geht. Dabei müssten Marken eine klare Positionierung haben und die Wirkung müsse vor dem Volumen kommen. Also von weniger Eitelkeitsmetriken hin zu einer Medienarbeit, die sich konsequent an Business-KPIs und langfristigen Zielen orientiert. Mit Aufmerksamkeit, Vitalität, Vertrauen und Affinität soll der langfristige Geschäftserfolg angestrebt werden. KI sieht er dabei als Chance zur Skalierung, mehr Geschwindigkeit, Personalisierung und Relevanz.
Danach fasste der Präsident kurz die im Vorfeld stattgefundenen 77. Generalversammlung zusammen. Der SWA hat ein sehr erfolgreiches Verbandsjahr hinter sich und konnte sein 75 Jahre Jubiläum bei mehreren Gelegenheiten mit seinen Mitgliedern feiern. Mit einer neuen Rekordzahl von 218 Mitglieds-Unternehmen durfte der Verband auch im letzten Jahr wieder acht neue Mitglieder begrüssen. Im Vorstand wurde Karin Held (Jaguar Land Rover) nach drei Amtsjahren wiedergewählt und Constance Courtois (Coca-Cola) neu ins Gremium gewählt. Für die Nachfolge des langjährigen SWA-Direktors, Roland Ehrler konnte der Präsident die Wahl von Yvonne Baumgartner verkünden. Sie wird am 1. September als Co-Direktorin im Verband starten. Nach einer gemeinsamen Einführungszeit wird Yvonne per 1.1.2027 die SWA-Geschäftsführung übernehmen. Roland Ehrler bleibt noch bis Ende 2026 im Amt und tritt dann seinen Vor-Ruhestand an. Dabei wird er ab 2027 für den SWA noch wenige Mandate betreuen.
Darauf übernahm Anna Kohler, Chefredaktorin von «m&k» die Moderation des Programms und führte die Gäste mit viel Berliner Charme durch den weiteren Nachmittag.
Gleich drei Keynote-Speaker lieferten ihren Impact ab!
Mike Follett, CEO und Gründer von Lumen Research, zeigte anhand von Eye-Tracking-Daten, wie wenig Aufmerksamkeit Werbung tatsächlich erhält. Der zentrale Punkt: Es besteht eine grosse Lücke zwischen dem, was theoretisch sichtbar ist, und dem, was wirklich gesehen wird.
Im Schnitt gelten zwar rund 70% der Ads als «viewable», aber nur etwa 30% werden tatsächlich wahrgenommen. Ein Drittel geht verloren, weil niemand hinschaut – etwa bei laufendem TV ohne Zuschauer. Weitere 40% verpuffen, weil Werbung aktiv ignoriert wird, etwa beim schnellen Scrollen auf Social Media. Die harte Realität: Nur rund 30% der Werbung wird überhaupt gesehen – und das im Schnitt für gerade einmal 1,6 Sekunden. Dabei schneiden klassische Medien deutlich besser ab als digitale Kanäle, insbesondere im Hinblick auf die effektive Aufmerksamkeit und die von Follett beschriebenen «true cost of attention» – also das Verhältnis von Aufmerksamkeit zu Kosten. Aktuelle Zahlen aus UK zeigen zudem: Obwohl mehr Geld in Werbung fliesst, sinkt deren Wirkung – unter anderem auch, weil immer mehr Budget in «Low-Attention»-Kanäle wie Social Media investiert wird.
Folletts Fazit: Aufmerksamkeit ist der entscheidende Faktor für effiziente Werbung, den der Profit hängt direkt mit der gewonnenen Aufmerksamkeit zusammen. Und unabhängig vom Kanal gilt: Kreative Werbung erzielt mehr Aufmerksamkeit – es lohnt sich also in kreative Ideen zu investieren.
Als zweiter Referent stellte Professor Dr. Sven Reinecke von der Universität St. Gallen gleich zu Beginn klar: Impact schlägt Effizienz. Wirksame Kommunikation beginnt nicht beim ROI – und Effizienz allein reicht nicht aus. Was Impact überhaupt bedeutet, hängt stark von den definierten Zielen ab: Geht es um Umsatz, Reichweite, Wahrnehmung oder Einstellungsänderung? Unabhängig davon entsteht Wirkung vor allem durch Qualität – im Zusammenspiel von Strategie, Kreativität und Handwerk. KI kann dabei unterstützen, ersetzt aber keine echte Kreativität. Vor allem auf der Beziehungsebene stösst rein KI-generierte Kommunikation aktuell (noch) an ihre Grenzen.
Sein Fazit: Auf die Zielsetzung kommt es an. Effizienz allein ist nichts wert, wenn die Kommunikation nicht wirksam ist. Klassische Kennzahlen wie ROI greifen zu kurz, um Kommunikation sinnvoll zu steuern. Entscheidend ist ein klares Ursache-Wirkungsdenken. Ohne saubere Messlogik führt Controlling schnell zu Fehlinterpretationen. Die Lösung für das Kausalitätsproblem ist laut Reinecke ein kalibrierter Mehrmethodenansatz mit einer stufenweisen Optimierung.
Zu guter Letzt überraschte Dennis Lück, Gründer und Geschäftsführer von BrinkertLück das Publikum auf besondere Art und Weise. Seine Ankunft als Zeitreisender «Doc Brown» aus dem Blockbuster «Back to the Future» wurde aufwändig inszeniert. Nach einem Introfilm in Hollywood-Manier entstieg er den Flügeltüren des DeLorean-Filmautos, welches vor der StageOne Bühne aus dem Rauch auftauchte.
In seiner Präsentation zeigte er als erstes auf, dass die Frage, welche Marketingmenschen in der Vergangenheit und wohl auch in der Zukunft beschäftigt, immer die gleiche ist: «Wie können wir unsere Kunden besser erreichen?» Aber was ist überhaupt Impact? Für Lück entsteht Impact, «wenn Aufmerksamkeit und Relevanz aufeinandertreffen». Dabei stellt er fest, wir messen alles ausser dem Impact. Was wir nicht messen, ist Originalität, Kreativität und Emotionalität. Das ist zwar schwierig, aber nicht unmöglich. Kreativität ist messbar, wie er anhand einer Matrix aufzeigte: KPIs y-Achse, Impact/Reaktion x-Achse. Skala bis 10 – schon weiss man, ob die Idee nur mittelmässig oder ein «Goldnugget» ist.
Zum Thema künstliche Intelligenz meinte Lück: «KI ist der Pinsel, aber nicht der Maler», und gab einen interessanten Einblick, wie er KI für die Recherche und kreative Ideenfindung nutzt. Wichtig ist für Lück aber auch, dass Themen wie Nachhaltigkeit nicht von KI verdrängt werden.
«Impact scheisst auf Reichweite. Aber liebt Reichtiefe», war eine weitere provokative Aussage von Lück. «Die Reichweite hat an Wert verloren. Wir sehen unfassbar hohe Zahlen mit unfassbar tiefen Resultaten. Es kommt auf die Reichtiefe an – die Intensität des Kontakts gewinnt an Bedeutung.»
Lück beendete seinen Vortrag mit einem Appell an die Anwesenden: «Rettet die Branche vor der Verglückskeksung!». Denn Werbebotschaften, die wie Glückskeksweisheiten klingen, erzeugen keinen Kaufimpuls und ganz sicher keinen Impact. Die Qualität der Kommunikation entscheidet – immer noch.
Talk mit dem neuen «Werber des Jahres» Jan Kempter
Als weitere Überraschung sprach Moderatorin Anna Kohler mit dem frischgebackenen Werber des Jahres, Jan Kempter, der bei der Wirz Group als Creative Director tätig ist. Dort ist er unter anderem verantwortlich für die Kampagnen von Schweiz Tourismus mit Roger Federer oder den Wichtel namens Finn, der für Migros wirbt.
Auf das Thema Impact angesprochen meint Kempter «Relevanz ist wichtig. Wer auffällt, macht schon mal vieles richtig, aber entscheidender ist, wie relevant eine Botschaft ist». Zu KI meinte der Werber des Jahres 2026, dass er sich keine Sorgen um seinen Job macht. Denn auch wenn sich der Job durch künstliche Intelligenz sicher sehr verändern wird, «am Ende braucht es immer noch jemanden mit gesundem Menschenverstand und kulturellem Verständnis».
Zum Schluss bedankte sich SWA-Direktor Roland Ehrler für die Geduld des Publikums und leitete rasant zum feierlichen Stehdinner über. Der beliebte Gästemix aus Kunden, Agenturen und Vermarktern sorgte wieder für ausgiebigen Gesprächsstoff.
Der nächste SWA-SUMMIT findet am 11. März 2027 wieder im StageOne in Zürich statt.
Die Vorträge, Videos und Bilder der SUMMIT 2026 sind auf der SWA-Website zu finden: hier
Kontakt SWA:
www.swa-asa.ch
Schweizer Werbe-Auftraggeberverband (SWA)
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8001 Zürich
Roland Ehrler, Direktor
Tel. 044 363 18 38 oder 079 300 06 35
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